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Freibad Geschichte - die 70er und 80er Jahre Fotos vom Stadtarchiv Grevesmühlen

 

Die Badesaison ist eröffnet! - Von Bade-gesellschaften und Freibadern in Grevesmühlen


Da eine Badeanstalt „ein allgemein schon längst gefühltes Bedürfniß sei und durch-aus nur einen nützlichen Zweck habe“, beantragte der Grevesmühlener Tischler-meister Kaven zusammen mit dem Zimmermeister Hass 1849 bei der Stadt die Zuweisung einer Fläche am Ploggensee. Genehmigt wurde ihnen die Errichtung einer Badeanstalt am Vielbecker See. Die erste Badesaison war gleich so erfolg¬reich, dass Tischler Kaven im August desselben Jahres die Einrichtung von Warm¬bädern und den Bau eines Wohnhauses in der Nähe plante. Dieser Wunsch wurde von den Stadtoberen abgelehnt. Dem Tischler wurde keine Begründung mitgeteilt, doch aus einer Notiz des damaligen Bürgermeisters Ebert oder einer seiner Senato¬ren geht hervor, warum der Rat keine Ausweitung des Badebetriebes wünschte: „Fast kommt es mir so vor, als sey es Hauptabsicht eine neue Kneipe anzulegen was wir unsrerseits auch nicht befoerdern dürfen, um so weniger, als alle Aufsicht über ein mitten im Felde belegenes Wirthshaus schwierig seyn mögte.“
In den folgenden Jahren wurde das Badeleben der Stadt von einer Badegesellschaft und später von einem Badeverein geregelt. Die Stadt unterstützte die Badeanstalt gelegentlich mit Bauholz und kleineren Geldbeträgen.

Neben dieser privat betriebenen Bademöglichkeit gab es seit 1894 am linken Ufer des Vielbecker Sees eine städtische Freibadeanstalt. Das „frei“ ist hier im Sinne von „frei von Eintritt“ zu verstehen. Es wurde ein Bretterverschlag errichtet, „damit dieje-nigen Einwohner, welche nicht Interessenten der hies. Badeanstalt sind, der Vort-heile einer geschützten Badestelle theilhaftig würden, ohne dass sie dafür irgend eine Zahlung zu leisten hätten.“

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden beide Badeanstalten an den Ploggensee verlegt, weil das Wasser des Vielbecker Sees durch langjährige Jauchezuflüsse stark verschmutzt war.

In der Freibadeanstalt waren die täglichen Badezeiten streng nach Geschlechtern getrennt. Für Männer und Knaben war die Anstalt von 5.00-7.30 Uhr, 11.00-14.00 Uhr und 18.00-20.00 Uhr geöffnet. Frauen und Mädchen durften sie nur von 8.00-10.30 Uhr und 14.30-17.30 Uhr benutzen. Doch anscheinend war das weibliche Ge-schlecht trotz dieser Trennung manchmal nicht ganz unter sich. Der Schulrektor wurde 1913 von der Stadtverwaltung aufgefordert, in allen Klassen die Knaben zu verwarnen, da mehrfach Klage darüber geführt würde, „dass während der Badezeit der Mädchen sich Knaben bei den Badeanstalten herumtreiben.“

Aus Nachrichten der Folgejahre geht hervor, dass die Stadt auch mit Vandalismus und Diebstahl zu kämpfen hatte. Außerhalb der Badesaison wurden jedes Jahr Bretter aus der Anstalt gestohlen. Die Stadtverwaltung verfügte deshalb 1923, die Freibadeanstalt aus zusammensetzbaren Teilen anfertigen zu lassen. Jedes Jahr im Frühsommer wurde sie dann auf und im Herbst wieder abgebaut.
Die private und die Freibadeanstalt wurden vermutlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammengelegt. Träger war bis zum Zweiten Weltkrieg der Badever-ein. Die Stadt bekam einen Pachtzins und die Eintrittsgelder und war für den Bade-betrieb und die Erhaltung der Anlagen verantwortlich.

Quelle: 2.1.1 Stadtarchiv Grevesmühlen, 1. Überlieferungsschicht, Nr. 569.